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Reformationssonntag, 4. November 2018

Predigttext
1. Kor 3,8-11 Die Apostel als Diener des Herrn
Denn wir sind Gottes Mitarbeiter;
Gottes Ackerfeld und Gottes Bau seid ihr.
Gemäss der Gnade Gottes, die mir gegeben wurde,
habe ich als kundiger Baumeister das Fundament gelegt,
ein anderer baut darauf weiter.
Jeder aber sehe zu, wie er darauf weiterbaut!
11 Denn ein anderes Fundament kann niemand legen als das,
welches gelegt ist: Jesus Christus.


Liebe Gemeinde
Als meine Frau und ich damals vor 13 Jahren
uns nach einem Haus oder Stück Land umgesehen haben,
nachdem Sie mich als Pfarrer hierher gewählt hatten,
da haben wir am Ob. Mühlestettenweg einen schönen Blätzen begutachten können.
Tolle Südsicht und viel Sonne, wow - aber steil am Hang.
Da könne man gut bauen, hiess es von Seite Landbesitzer und Architekten –
es brauche einfach 20m Betonanker in die Tiefe,
damit das Fundament stabil wird.
Mein kundiger Schwiegervater hat uns dann abgeraten,
das sei teuer und trotzdem nie ganz sicher.
Damals haben wir noch nicht gewusst,
dass das ganze Gebiet den Flurnamen „Rütschete“ hat ...
und darunter auch noch ein neuer Tunnel liegt -
und das sagt schon vieles über den Untergrund.
Heute wohnen wir im Tal an der Ergolz,
wir fühlen uns wohl und sicher –
und das ist gut so.
Auf sicherem Boden und gutem Fundament.

In der Tagesschau sehen wir wöchentlich Filmberichte
von ganzen Quartieren, Dörfern, die davonrutschen,
irgendwo auf der Welt –
wegen Hochwassers, Erdbeben und Erdrutschen.
Auch Orte und Böden, die seit Menschengedenken als ungefährdet galten,
sind in unserer Zeit plötzlich unsicher geworden.
Es gibt inzwischen Gefahrenkarten des Bundes,
darauf sind gefährdete Zonen festgehalten.
Wehe, wenn einer dort ein schon bestehendes Gebäude und Eigentum hat.

Seit Menschen sesshaft geworden sind und Häusle bauen,
ist das Sich Niederlassen auf gutem Grund ein Dauer-Thema.
Jesus macht daraus ein Gleichnis,
das am Ende der berühmten Bergpredigt
seine Rede abschliesst.
Über kluge Menschen - und weniger kluge.
Nur der Dumme baut sein Haus an exponierter Lage,
wenn und obwohl er ja davon gehört hat und es besser wüsste.
Der Dumme wundert sich, wenn ihm der Untergrund und Boden entgleitet.
Aber so einem ist echt nicht zu helfen,
wider eigenes besseres Wissen solches zu realisieren.
Selber schuld.
Der Kluge hingegen, der hinhört, zuhört und danach lebt und handelt,
der ist wie ein guter Bauherr,
der den Untergrund und Boden für sein Daheim
sorgfältig aussucht und auswählt –
und drauf vertrauen kann, dass es jedem Sturm standhält.
Jesus redet aber hier nicht von Ländereien, sondern von seinem Predigt-Wort.

Es ist das Wort Jesu,
die Botschaft,
die uns zum Evangelium geworden ist –
liebe Gemeinde -
Fundament unseres persönlichen Lebens und gemeinsamen Kirche-Seins.
Das gehörte und gelebte Gottes Wort!

Wenige Jahre nach Jesus
wird der Apostel Paulus diesen Gedanken aufnehmen –
und sich selber als diesen guten und kundigen Baumeister bezeichnen,
der das Fundament der Kirche ein für alle Mal und standfest baut.
Paulus war ja so etwas wie Cheftheologe und zugleich Aussenminister
der ersten Generation von Christinnen und Christen.

Es ist kein Zufall,
dass in der Kirchen-Baugeschichte so viele Kirchen
auf den Namen Peter und Paul geweiht worden sind.
Petrus, der Fels, auf welchen die Kirche gebaut ist,
der gleichzeitig die Schlüsselgewalt dazu hat.
Und Paulus, der das Fundament genau auf diesen Felsen stellt und
damit den Bau erst ermöglicht.
Peter und Paul – Fels und Fundament - das macht wirklich Sinn!


Liebe Gemeinde
Wir feiern heute das jährliche Reformationsfest,
und unsere Konfession,
zusammen mit allen evangelischen und reformierten Kirchen dieser Welt,
die ihren Ursprung damals vor 500 Jahren
und den Geschehnissen um Luther und Zwingli haben.
Ein wirkliches Feiern und Festen ist es aber nicht –
Ist es nie gewesen:
Eher ein Gedenken und Nachdenken!
Ausgelassenes Festen war nie die Stärke des eher spröden Protestantismus.
Eher ein Gedenken und Nachdenken darüber, also:
In welcher Verfassung befindet sich unsere Kirche eingangs 21. Jh.?
Wie steht es um unser Fundament?

Bis vor 50 Jahren war ganz Europa mehrheitlich nach Konfessionen aufgeteilt –
In reformierte und katholische Landstriche.
die einzelnen Konfessionen machten zwischen
90 und 99% der jeweiligen Bevölkerung aus.
Keiner hatte in Sachen Religions- und Konfessionsfreiheit wirklich die Wahl.
Auch die Mobilität war noch eingeschränkt:
Ein reformierter Oberbaselbieter überlegte sich gut,
ob er sich wirklich im katholischen Unterbaselbiet ansiedeln wollte.
Die Partnerwahl war durch die Konfession arg eingeschränkt –
manche von Ihnen haben das noch am eigenen Leib erlebt:
ein katholisches Schätzeli zu haben ein echtes Problem und konfliktträchtig.

Heute ist vieles anders – Gott sei Dank!
Die Menschen haben die Wahl,
ihren Glauben wirklich frei zu leben und
sich ihr Bekenntnis, ihre Konfession selber auszusuchen.
Oder ganz darauf zu verzichten.
Das ist schön,
aber das Leben und Zusammenleben deshalb nicht einfacher.
Wer die Wahl hat, hat die Qual –
Muss sich selber entscheiden, immer wieder neu.
Und trägt auch alle Verantwortung und Konsequenzen für diese Entscheide selber.

In den alten Strukturen, wo vieles einfach
so selbstverständlich wie autoritär vorgegeben war,
da hatten es wir Menschen in mancher Hinsicht einfacher.
Man und frau konnte und musste nicht über so viel nachdenken ...
Und das war in mancher Hinsicht ja auch entlastend.
Verständlich, dass es heute nicht nur bei der älteren Bevölkerung
eine zunehmende Sehnsucht nach der guten alten Zeit gibt.
Bloss: das Rad der Geschichte lässt sich nie zurückdrehen.

Nun, Tatsache ist,
dass im Baselbiet heute nur noch knapp 30% der Bevölkerung reformiert ist,
dazu kommen etwa 23% Katholiken.
Im Jahr 2022 voraussichtlich werden wir mit diesen zusammen
keine 50% des Volkes ausmachen und zur Minderheit.
Das hat Konsequenzen und stellt Fragen an unser Selbstverständnis.
Sind und bleiben wir noch Volkskirche,
Können und wollen wir als Kirche noch Kirche für alle sein und bleiben,
wenn wir als organisierte Christinnen und Christen zur Minderheit werden?
Sind die Anlehnung an Staat, dessen finanzielle Beiträge,
noch gerechtfertigt –
Oder sollten wir uns nicht eher damit auseinandersetzen,
langsam zur Freikirche zu werden - und uns neu statt öffentlich-rechtlich einfach als Verein zu organisieren?

Ja, In welcher Verfassung befindet sich unsere reformierte Kirche
eingangs 21. Jh.?
Die Mitgliederzahlen sind nur ein Aspekt – und dieser mag täuschen!
Als Kirchenrat habe ich mir in den letzten fünf Jahren
einen sehr breiten Einblick in viele Kirchgemeinden in der Region nehmen dürfen.
Vielerorts ist die Verfasstheit und der Zustand
trotz Sorgen um Mitgliederschwund gut bis hervorragend.
Schauen Sie sich bloss unseren Gemeindebrief an –
welch ein reiches und vielfältiges Kirchgemeindeleben,
für alte und junge Leute.
Unglaublich, diese Vielfalt von Gottesdienstformen, Musikstilen,
Anlässen und Angeboten.
Vor 50 Jahren war nichts nicht besser und reicher:
Die Pfarrherren sassen pfeifenrauchend in ihren Studierstuben
und frönten der Theologie, dem Gebet, der Volkskunde.
Gottesdienste waren fast immer gleich, streng in der ref. Liturgie.
Es gab vielleicht einen Kirchenchor und eine junge Kirche am Freitagabend,
aber das war es dann.
Heute bringen sich über 100 Menschen als Freiwillige in ganz verschiedenen kirchlichen Unternehmungen in unserer KG ein –
Von unschätzbarem Wert für die Gemeinschaft,
für sie selber eine grosse Befriedigung und super Weiterbildung.
Trotzdem:
Der Kampf um Freiwillige oder Leute, die bereit sind,
in der Kirchenpflege mitzuarbeiten,
wird immer schwieriger.
Damals gab es vielleicht zehn Vereine im Dorf, heute sind es über hundert.
Überall sind Freiwillige an der Arbeit. Die Konkurrenz um gute Leute gross.
Gleichzeitig gilt:
Die nachrückenden Generationen in unserm Land wollen und können
sich nicht mehr dauerhaft für etwas verpflichten,
weder in Vereinen, Politik oder Kirchen.

Liebe Gemeinde
Die Verfassung und Verfasstheit der allermeisten KG und Pfarreien im Kanton
ist gut, noch gut.
Einzelne Kleinstgemeinden in kleinen Dörfern kämpfen aber ums Ueberleben.
Kann – wie man so schön sagt –
die Kirche im Dorf bleiben,
wenn nur mehr eine Minderheit der Einwohner auch in kleinen Dörfern
sich noch zu ihr bekennt?!

An diesem Reformations-Wochenende geht nun
die neue Baselbieter Kirchenverfassung,
der oberste und grundlegende kirchliche Gesetzestext
von uns Reformierten im Kanton in die Vernehmlassung zu uns Kirchgemeinden.
Ich habe daran mitgearbeitet.
Nicht nur Bund und Kantone haben eine solche Verfassung,
auch die Kantonalkirchen haben eine.
Die bisherige Kirchen-Verfassung stammt von 1952, nach dem Krieg,
aus einer ganz anderen, längst überholten Zeit.
Dringend und drängend, dass die Kirche sich reformiert und neu aufstellt.
In anderthalb Jahren gibt es hierzu eine echte, reformierte Volksabstimmung,
dürfen und sollen wir alle hierüber abstimmen!
Das ist etwas ganz seltenes!

Wir haben als Reformierte diesen Reform-Willen ja im Namen.
Die Reformatoren damals haben klar gesehen:
Reformation bleibt ein Dauerprozess –
Auch Kirchen müssen sich immer wieder hinterfragen
Und neu aktuellen Gegebenheiten und Trends anpassen,
sonst sind sie nicht mehr lebensfähig -
und nicht mehr hilf- und segensreich für die Gemeinde und die Gesellschaft.
Seit 2000 Jahren organisiert sich Kirche weltweit immer wieder
neu und anders.
Und hat überall überlebt, manchmal ganz klein, unscheinbar, gar verfolgt ...
und hat das Evangelium von Generation zu Generation weitergegeben.
Deshalb bin auch ich persönlich ganz zuversichtlich und gelassen.

Denn ein anderes Fundament kann niemand legen als das,
welches gelegt ist: Jesus Christus.

Diesen Satz aus dem Korinther schlagen wir Ihnen als Bibeltext
Über der Präambel der neuen Kirchenverfassung vor.

Es ist letztlich nichts als Gnade Gottes,
wie es der Apostel sagt –
dass uns das Evangelium als Fundament des Glaubens und der Kirche geschenkt wurde.
Es ist letztlich nichts als Gnade Gottes,
dass wir als seine MitarbeiterInnen auf diesem Fundament an seiner Kirche
weiterbauen und mitgestalten dürfen, jeder auf seine Weise.

Keine Kirche
weder als Gebäude noch als Gemeinde
Ist auf Ewigkeit angelegt.
Man muss immer wieder renovieren und erneuern und umbauen.
Beständigkeit und Ewigkeit gehören allein dem Wort Gottes!
Dieses hat einen Namen: Jesus Christus.
Er war, ist und bleibt in Ewigkeit derselbe.
Als das Fundament unseres Glaubens und Hoffens und Liebens,
das Fundament unserer Gemeinschaft, die wir so schlicht Kirche nennen.
Daran erinnert uns Jesus am Ende der Bergpredigt.
Daran erinnert uns Paulus in seinem Brief nach Korinth.
Daran erinnert der jährliche Reformationssonntag.
amen