Monatspredigt

logo_rks.gif

onLine-Jugendgottesdienste
Pfr. Daniel Wüthrich
T 061 971 12 72

Pfr. Gerd Sundermann
T 061 971 28 08

Sonntagsschule
Pfr. Gerd Sundermann
T 061 971 28 08

Fiire mit de Chliine
Pfrn. Denise Perret 
T 061 973 98 97

Monatspredigt Januar

Daniel Wüthrich, Pfr.
gehalten an Epiphanias, 6. Januar 2019
in Sissach und Itingen


Predigt zu Psalm 34,15 (Jahreslosung)
„Suche Frieden und jage ihm nach.“

Ein paar Verse aus dem Psalm 34 – in der Übersetzung „Hoffnung für alle“:

8 Der Engel des HERRN umgibt alle mit seinem Schutz, die Gott achten und ehren, und rettet sie aus der Gefahr.
9 Probiert es aus und erlebt selbst, wie gut der HERR ist! Glücklich ist, wer bei ihm Zuflucht sucht!
10 Begegnet dem HERRN mit Ehrfurcht, alle, die ihr zu ihm gehört!
12 Kommt her, ihr jungen Leute, und hört mir zu! Ich will euch lehren, was Ehrfurcht vor dem HERRN bedeutet!
13 Wer von euch will sich am Leben freuen und gute Tage erleben?
14 Dann achtet auf das, was ihr sagt: Keine Lüge, kein gemeines Wort soll über eure Lippen kommen.
15 Wendet euch ab von allem Bösen und tut Gutes! Setzt euch unermüdlich und mit ganzer Kraft für den Frieden ein!


Liebe Gemeinde,

aus diesem Psalm 34 hat die ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen die Jahreslosung ausgewählt. Die Jahreslosung ist ein Bibelwort, das als Leitwort über dem ganzen Jahr stehen soll.
Die Jahreslosung fürs 2019 lautet:
„Suche Frieden und jage ihm nach.“
Oder in der Bibelübersetzung, aus der ich gerade gelesen habe:
„Setzt euch unermüdlich und mit ganzer Kraft für den Frieden ein!“

Frieden, das ist ein schönes Wort.
Besonders, wenn wir an die Bilder aus Kriegsgebieten denken, die uns auch das 2018 über begleitet haben. Oder wenn wir an die Bilder von Terrorakten, denken, von Bombenattentaten, Messerattacken, Angriffe auf Menschen mit Fahrzeugen. Und - auch wenn wir an die Bilder von Naturkatastrophen denken, von denen es im abgelaufenen Jahr zur Genüge gegeben hat.

Ja, Frieden ist ein schönes Wort, eine wunderbare Vorstellung, manchmal sogar eine tiefe Sehnsucht in uns – wir, die wir doch in einem überaus friedlichen Land leben dürfen.
Gerade über die Weihnachtstage, wo sehr viele in den Familien zusammenkommen, ist Friede für viele ein wichtiges Wort.
Wenn Familien zusammenkommen, dann ist das nicht immer so einfach. Oft schwebt da bei manchen unsichtbar der Wunsch mit, dass das Zusammensein doch friedlich und harmonisch verlaufe.

Dass an Weihnachten der Wunsch nach Frieden in uns stärker ist, hat aber nicht nur mit dem nicht immer einfachen Zusammensein in den Familien zu tun.
Weihnachten und Frieden, die gehören zusammen.
Das hat mit der Hoffnung zu tun, die der Prophet Jesaja einmal formuliert hat. Sie lautet (Jes 9,1ff.):
„1 Das Volk, das im Dunkeln lebt, sieht ein großes Licht; für alle, die im Land der Finsternis wohnen, leuchtet ein Licht auf.
4 Die Soldatenstiefel, deren dröhnenden Marschtritt sie noch im Ohr haben, und die blutbefleckten Soldatenmäntel werden ins Feuer geworfen und verbrannt.
5 Denn ein Kind ist geboren, der künftige König ist uns geschenkt! Und das sind die Ehrennamen, die ihm gegeben werden: umsichtiger Herrscher, mächtiger Held, ewiger Vater, Friedensfürst.
6 Seine Macht wird weit reichen und dauerhafter Frieden wird einkehren.

Die Geburt des Kindes, die Jesaja ankündigt hat, feiern wir an Weihnachten.
Es ist in keinem Palast zur Welt gekommen, sondern in einem Stall.
Engel haben seine Geburt Hirten auf dem Feld verkündet. Sie haben sie mit den Worten angesprochen:
„Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden den Menschen auf Erden, an denen Gott gefallen hat.“
Sterndeuter aus dem Osten, unsere Heiligen Drei Könige, an die wir heute am Dreikönigstag denken, besuchten das Kind in seiner einfachen Unterkunft, knieten vor ihm nieder und ehrten es als König.
Die drei Könige. Heute ist ihr Tag. Im Laufe der Zeit haben sie Namen bekommen: Kaspar, Melchior und Balthasar. Obwohl nicht viel über sie in der Bibel steht, gibt es viele Dreikönigsgeschichten. Auch der Schweizer Pfarrer und Schriftsteller Ulrich Knellwolf hat einige Dreikönigsgeschichten geschrieben. Einer hat er nach den Worten von Jesaja den Titel „Der Friedensfürst“ gegeben.
In dieser Geschichte erzählt er:

Die Königreiche von Kaspar, Melchior und Balthasar stossen aneinander. Melchior würde am liebsten der grösste König untern ihnen sein und die andern zwei beherrschen. Er rüstet darum mächtig auf. Das macht Kaspar und Balthasar Angst. Sie fühlen sich bedroht und rüsten auch auf. Bald strotzt die ganze Gegend vor Waffen und alle erwarten einen Krieg.
Da taucht der Stern am Himmel auf. Die drei Könige deuten ihn als Zeichen, dass dem König Herodes in Jerusalem ein Sohn geboren sei. Alle wollen darum nach Jerusalem und dem Kind ihre Ehre erweisen und so Herodes günstig für sie stimmen.
Balthasar und Kaspar machen sich im Geheimen miteinander auf den Weg. Sie reisen als Kaufleute verkleidet. Unterwegs werden sie von einer Räuberbande überfallen. Es sieht nicht gut für sie aus. Da kommt ihnen plötzlich jemand zu Hilfe, der die Räuber in die Flucht schlagen kann. Kaspar und Balthasar sind überglücklich und wollen den Fremden reich beschenken. Doch der lehnt ab und lädt sie ein, doch mit ihm weiter zu reisen. So kommen sie alle drei sicher in Jerusalem an. Dort trennen sich ihre Wege.
Kaspar und Balthasar besuchen Herodes. Doch er hat keinen Sohn bekommen. Die königlichen Berater schicken sie weiter nach Bethlehem.
Als die beiden dort ankommen, suchen sie eine Unterkunft, ziehen ihre Kaufmannskleider aus und ihre Königskleider an, holen ihre Geschenke und gehen an den Ort, wo der Stern drüber steht. Es ist ein Stall. Drin finden sie das Kind in einer Futterkrippe, Maria und Josef und Hirten. Und zu ihrem grossen Erstaunen steht auch ihr Retter in der Not und Reisegefährte an der Krippe. Er hatte sich verändert und hatte, wie sie, Königskleider an. Sofort erkennen die beiden, dass es Melchior, ihr Feind, ist. Schon greifen alle drei an ihren Dolch, da beginnt das Kind in der Krippe laut zu schreien.
Eine ältere Hirtin tritt zu den drei Königen und sagt: „Hört ihr nicht? Der Friedensfürst weint, weil ihr aufeinander losgehen wollt.“
Die Drei Könige wollen sich nicht lächerlich machen. Sie legen ihre Geschenke zur Krippe und gehen zurück in ihre Unterkunft. Alle drei wohnen in derselben Herberge. Und am gleichen Tisch ist für sie zum Abendessen gedeckt. So kommen sie ins Gespräch miteinander. Sie erzählen einander viel und verstehen wieder so gut, wie auf dem Weg nach Jerusalem, wo sie alle verkleidet waren und sich nicht erkannt hatten.
Zusammen reisen sie nach Hause. Und dort erzählen sie allen: „In Bethlehem haben wir den Fürst des Friedens kennen gelernt. Er ist ein sehr starker Herr.“
Eine schöne Geschichte vom Friedensfürst, die Ulrich Knellwolf da erzählt, können wir sagen. Aber ist sie mehr als bloss eine Geschichte?
Ja, sie ist mehr.
Denn sie erzählt, wie der Friede zu diesem Kind, zu Jesus gehört.
Jesus möchte, dass der Friede, den die Engel bei seiner Geburt den Hirten und den Menschen zugesagt haben, Wirklichkeit wird.
„Meinen Frieden gebe ich euch“, sagt er.
Und: „Selig sind, die Frieden stiften.“
Er ermuntert seine Gefährten und Gefährtinnen, wohin sie auch kommen, den Menschen den Friedensgruss weiterzugeben: „Friede sei mit euch.“
Er sagt so schwierige Worte wie: „Liebt eure Feinde und betet für die, welche euch verfolgen.“

Jesus und der Friede gehören so sehr zusammen, gerade an Weihnachten, seinem Geburtstag, dass sogar Kriege aufhören und Frieden geschlossen wird. Wenigstens für einige Momente.
So geschehen an Weihnachten 1914, fünf Monate nach Ausbruch des 1. Weltkriegs. Die Schweiz am Wochenende hat am 22. Dezember in einem ganzseitigen Artikel über diesen Weihnachtsfrieden berichtet.
(„Als die Menschlichkeit siegte“, Artikel von Simon Maurer in der Schweiz am Wochenende vom 22. Dezember)
Die Soldaten, so im Artikel, hätten nicht erwartet, dass der Krieg bis Weihnachten andauert. Und nun lagen sich an der Westfront in Belgien schottische und deutsche Soldaten in ihren Gräben gegenüber. Nur 50 Meter trennten sie voneinander. Das Land zwischen den Linien ist von Explosionen zerfurcht. Sobald jemand einen Fuss darauf setzt, wird er erschossen. Darum werden auch die Gefallenen nicht geborgen. Seit Tagen liegen sie auf der kalten Erde. In dieser Szenerie müssen die Soldaten ihre Weihnachten verbringen. Da kommen plötzlich die Deutschen aus ihren Schützengräben. Alle sind unbewaffnet. Die schottischen Soldaten sind unsicher. Aber sie schiessen nicht. Deutsche Offiziere nähern sich langsam der Verteidigungslinie. Da steigen auch schottische Offiziere aus dem Graben und gehen auf die Deutschen zu. Diese erklären, dass sie einen Waffenstillstand wollen, um die Toten anständig zu begraben. Obwohl die Regierungen in London und Berlin wenige Tage vorher einen Waffenstillstand an Weihnachten abgelehnt hatten, gehen die schottischen Offiziere auf das Angebot der Deutschen ein. Auch wenn der offizielle Grund für die Waffenruhe das Begraben der Toten ist, so spielt eine ganz wichtige Rolle, dass der Weihnachtstag war, „der Tag des Friedens und der Liebe“, wie ein Zeuge in einem Brief über diesen besonderen Weihnachtsfrieden geschrieben hat. Die Toten werden begraben. Es gibt sogar einen gemeinsamen Gottesdienst. Danach verbrüdern sich die Soldaten, reden und essen miteinander und spielen miteinander Fussball.

Der Krieg war damit nicht zu Ende. Leider. Bald wurde wieder geschossen.
Bis heute, in unzähligen Kriegen und Auseinandersetzungen.
Und doch spüren wir in diesem Bericht, wie auch in der Geschichte von Ulrich Knellwolf, wie der Friede und die Hoffnung auf Frieden zu Weihnachten und zu unserem Glauben gehört.
Ohne diese Hoffnung funktionieren beide nicht, gibt es beide nicht.
Wir alle sind mit unserem Glauben Träger und Trägerinnen dieser Hoffnung. Nicht nur an Weihnachten und den Weihnachtstagen.
Es braucht uns alle für diesen Frieden.
Jeden Tag aufs Neue.
Nehmen wir die Jahreslosung darum mit in unser 2019.
„Suche Frieden und jage ihm nach.“
Oder in der Bibelübersetzung „Hoffnung für alle“:
„Setzt euch unermüdlich und mit ganzer Kraft für den Frieden ein!“

AMEN.