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Monatspredigt Juni

Predigt zu Mt 6,10a – „Dein Reich komme.“

Liebe Gemeinde,

in der Bibel wird uns erzählt, wie einmal einige Eltern ihre Kinder zu Jesus brachten, damit er ihnen die Hände auflegt und sie segnet. Seine Jünger waren mit diesem Vorhaben aber gar nicht einverstanden. Sie blockten die Eltern ab, schimpften mit ihnen und wollten sie wegschicken. Als Jesus das aber merkte, wurde er zornig und sagte zu seinen Jüngern:
»Lasst die Kinder zu mir kommen und haltet sie nicht zurück, denn Menschen wie ihnen gehört Gottes Reich. Ich versichere euch: Wer sich Gottes Reich nicht wie ein Kind schenken lässt, der wird ganz sicher nicht hineinkommen.« (Mk 10,14-15)
Nach diesen Worten zu seinen Jüngern nahm Jesus die Kinder dann in seine Arme, legte ihnen die Hände auf und segnete sie.

In dieser Begegnung mit den Kindern redet Jesus von „Gottes Reich“.
Von diesem Reich redet und erzählt Jesus oft. Er sagt, dass es nahe ist und bald kommt. Dass Gott es errichtet. Jesus ist das Reich Gottes so wichtig, dass er seinen Gefährten und Gefährtinnen weitergibt, dass sie darum bitten sollen. Er sagt ihnen:
„So nun sollt ihr beten:
Unser Vater im Himmel, dein Reich komme.“

Und so bitten wir bis heute. Rund um die Erde. Im Gebet, das Jesus uns weitergegeben hat. Im Unser Vater.
Wenn wir dieses Gebet beten, dann kommen uns diese Worte vielleicht automatisch über die Lippen. Ohne, dass wir uns allzu viel dazu überlegen. Mir geschieht das auf jeden Fall immer wieder einmal. Ab und zu allerdings frage ich mich, worum bitte ich denn da eigentlich, wenn ich sage: „dein Reich komme.“
Was ist denn das für ein Reich?
Und will ich überhaupt, dass dieses Reich, das Reich Gottes wirklich kommt.
Ja – ist es vielleicht nicht sogar gefährlich, um dieses Reich zu bitten?

Wir dürfen beim Begriff Reich schon skeptisch sein und auch vorsichtig. Aus der Geschichte kennen wir ja so manches Reich. Das Römerreich z.B., Kolonialreiche von verschiedenen Staaten, Königreiche, Kaiserreiche, das Zarenreich. Und nicht zuletzt das Dritte Reich der Nazis in Deutschland. Und mit allen diesen Reichen verbinden wir eher schwierige Begriffe wie Macht, Gewalt, Unterdrückung.
Auch zur Zeit von Jesus erlebten die Menschen die herrschenden Reiche oft von ihrer negativen Seite. Palästina stand unter der Herrschaft von Rom. Auch wenn das römische Reich rund ums Mittelmeer eine gewisse Befriedung brachte, so pressten die römischen Statthalter aus den besetzten Gebieten oft so viel Steuern wie nur möglich. Und mit abschreckenden Strafen versuchten sie, die Leute ruhig zu halten.
Je mehr die Menschen in Palästina diese Gewalt und Unterdrückung erlebten, desto stärker wuchs bei ihnen die Hoffnung auf einen Messias.
Auf einen neuen König nämlich aus ihrem Volk. Ein zweiter David, der die Römer vertreiben würde und Israel wieder als einen grossen und mächtigen Staat erstehen lassen würde.

Als Jesus den Menschen immer wieder vom Reich Gottes erzählte und davon sprach, dass es schon nahe sei, da setzten immer mehr in ihn ihre Hoffnung. Dass er der Messias sei, der neue König, der die Römer aus dem Land vertreibt, das Königreich von David wieder aufrichtet und Israel wieder mächtig macht. Dabei stellten sie sich das Reich so vor, wie sie es eben kannten. Auch seine Jünger taten dies. Einmal brach nämlich Streit unter ihnen aus, wer denn im neuen Reich von ihnen der wichtigste sei. Weil sie sich nicht einigen konnten, gingen sie zu Jesus und fragten ihn (Mt 18,1-4):
»Wer ist in der neuen Welt Gottes der Größte?«
Da rief Jesus ein Kind herbei, stellte es in ihre Mitte
und sagte: »Ich versichere euch: Wenn ihr euch nicht ändert und den Kindern gleich werdet, dann könnt ihr in Gottes neue Welt überhaupt nicht hineinkommen.
Wer es auf sich nimmt, vor den Menschen so klein und unbedeutend dazustehen wie dieses Kind, ist in der neuen Welt Gottes der Größte.


Wieder verbindet Jesus ein Kind mit dem Reich Gottes.
Er kehrt damit die gängigen Vorstellungen um. Im Reich, von dem er erzählt und spricht, da ist nicht der der Grösste und Mächtigste und Wichtigste, der für uns in der Regel gross und mächtig und wichtig ist. In diesem Reich geht es ganz anders.
Das zeigt sich schon daran, wie es entsteht.
In zwei Gleichnissen redet Jesus davon. In einem vergleicht er das Reich Gottes mit einem Senfkorn. Es ist das kleinste unter allen Samenkörnern, sagt Jesus. Wenn es aber wächst, dann wird es grösser als alle Kräuter. Es wächst sogar zu einem Baum heran, so dass die Vögel darin ihre Nester bauen und in seinen Zweigen wohnen können.
Im zweiten Gleichnis vergleicht Jesus das Reich Gottes mit einem Sauerteig. Eine Frau nimmt eine grosse Menge Mehl und mengt den Sauerteig darunter. Der Sauerteig wirkt und durchsäuert mit der Zeit den ganzen Teig.
Das Reich Gottes, wie es Jesus in diesen beiden Gleichnissen darstellt, bricht nicht plötzlich über uns herein, mit grosser Gewalt. Es wächst vielmehr, wie das Senfkorn, sanft vor sich hin und wird grösser und grösser. Es übt keine Macht aus. Es unterdrückt nicht. Es durchdringt die Welt dafür immer mehr und lädt uns dazu ein, darin zu wohnen.

Und wie ist es dann, in diesem Reich?
Der Apostel Paulus sagt darüber:
„Im Reich Gottes geht es nicht um Fragen des Essens und Trinkens, sondern um das, was der Heilige Geist bewirkt: Gerechtigkeit, Frieden und Freude.“
Genau darum geht es im Reich Gottes. Und genau das macht es auch aus. Jesus erzählt uns das wieder in einem eingängigen Gleichnis (Mt 20,1-16):
Das Himmelreich gleicht einem Hausherrn, der früh am Morgen ausging, um Arbeiter anzuwerben für seinen Weinberg. Und als er mit den Arbeitern einig wurde über einen Silbergroschen als Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg.
Und er ging aus um die dritte Stunde und sah andere auf dem Markt müßig stehen und sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist. Und sie gingen hin. Abermals ging er aus um die sechste und um die neunte Stunde und tat dasselbe.
Um die elfte Stunde aber ging er aus und fand andere stehen und sprach zu ihnen: Was steht ihr den ganzen Tag müßig da? Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand angeworben. Er sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg.
Als es nun Abend wurde, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und gib ihnen den Lohn und fang an bei den letzten bis zu den ersten.
Da kamen, die um die elfte Stunde angeworben waren, und jeder empfing seinen Silbergroschen. Als aber die Ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und sie empfingen auch ein jeder seinen Silbergroschen.
Und als sie den empfingen, murrten sie gegen den Hausherrn und sprachen: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, doch du hast sie uns gleichgestellt, die wir des Tages Last und die Hitze getragen haben.
Er antwortete aber und sagte zu einem von ihnen: Mein Freund, ich tu dir nicht Unrecht. Bist du nicht mit mir einig geworden über einen Silbergroschen? Nimm, was dein ist, und geh! Ich will aber diesem Letzten dasselbe geben wie dir.
15 Oder ist es mir etwa nicht erlaubt, mit dem, was mein ist, zu tun, was ich will? Machst du ein böses Gesicht, weil ich gütig bin?
16 So werden die Letzten Erste sein und die Ersten Letzte.


Wie ist es also im Reich Gottes?
Vom Gleichnis von Jesus aus gesagt: Da sind alle gleich reich. Da haben nicht wenige fast alles und viele fast gar nichts. Da gibt es nicht Erste und Letzte. Denn die Ersten sind wie die Letzten und die Letzten sind wie die Ersten. Sie haben genau gleich viel und gelten genau gleich viel.
Mir kommt die Formulierung der Allgemeinen Menschrechte in den Sinn. Da heisst es im 1. Artikel:
„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“
Und so zieht es sich ja dann durch die ganze Erklärung der Menschenrechte durch. Immer und immer wieder wird gesagt:
Jeder und jede hat das Recht – etwa auf Freiheit, auf Eigentum, auf Liebe und Eheschliessung, auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit.
Niemand darf – zum Beispiel versklavt werden, gefoltert werden, willkürlich gefangengenommen werden, gezwungen werden, einer Vereinigung anzugehören.
Die Menschenrechte erscheinen wie ein Versuch zu beschreiben,
was wir uns dem Reich Gottes vorstellen könnten.

Ich habe mich zu Beginn gefragt, ob es möglicherweise gefährlich sein könnte, Gott zu bitten: Dein Reich komme.
Ja, es könnte gefährlich sein, wenn ich nicht will, dass alle Menschen die gleiche Würde besitzen und die gleichen Rechte haben sollen. Es könnte – für mich – gefährlich sein, wenn ich nicht will, dass alle gleich reich sein dürfen. Wenn ich die Welt liebe als eine, in der es Kleine und Grosse gibt, Reiche und Arme, Wichtige und Unwichtige, ja, dann könnte es gefährlich sein, so zu bitten.
Und ja, es ist gefährlich für die, welche unbedingt an ihrem Reichtum, an ihrer Macht, an ihrem Einfluss festhalten und nichts davon teilen wollen.
Ja: „Das könnte den Herren der Welt ja so passen, wenn hier auf der Erde stets alles so bliebe; wenn hier die Herrschaft der Herren, wenn hier die Knechtschaft der Knechte so weiterginge wie immer.“ – wie es Kurt Marti vor bald 50 Jahren geschrieben hat. Um damit gleichzeitig zu sagen, dass es so nicht sein darf.

Wir nehmen die Menschenrechte sicher gerne in Anspruch für uns. Wenn wir wollen, dass sie für alle Wirklichkeit werden sollen, dann lasst uns beten: Dein Reich komme.
Wir wollen sicher leben, finanziell abgesichert, frei, mit vielen Möglichkeiten, geachtet werden und wertgeschätzt. Wenn wir wollen, dass alle das zugute haben, dann lasst uns beten: Dein Reich komme.
Wenn wir wollen, dass unsere Kinder und Kindeskinder eine Zukunft auf unserem blauen Planeten haben, dass sie in einer gesunden Umwelt aufwachsen können, in einer vielfältigen Pflanzen- und Tierwelt und Ressourcen auch für sie noch vorhanden sind, dann lasst uns beten:
Dein Reich komme.

AMEN.