Monatspredigt

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Monatspredigt Dezember

Pfarrer Matthias Plattner

Lk 2,4ff:
Auch Josef ging von Galiläa aus der Stadt Nazaret hinauf nach Judäa
in die Stadt Davids, die Betlehem heisst,
weil er aus dem Haus und Geschlecht Davids war,
um sich eintragen zu lassen mit Maria, seiner Verlobten, die war schwanger.
Und es geschah, während sie dort waren, dass die Zeit kam, da sie gebären sollte.
Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln
und legte ihn in eine Futterkrippe,
denn in der Herberge war kein Platz für sie. (
ZB)

Liebe Gemeinde
Da hat der Kaiser im fernen Rom dem kleinen judäischen Dorf Bethlehem
ein schönes Ei gelegt.
Was für eine Schnapsidee,
ausgerechnet jetzt eine Volkszählung zu veranstalten
und dazu alle römischen Bürger in ihre Heimat- und Geburtsstädte zu schicken,
um sich dort in die Bücher eintragen zu lassen.
Welch ein volkswirtschaftlicher Blödsinn,
diese Herumreiserei bloss für die
Statistik des römischen Reiches,
eine Unterschrift,
und das in einer Zeit,
in welcher es noch kein Automobil oder öffentlichen Verkehr gibt...
und alle Wege auf Schusters Rappen oder auf einem Maultier zu leisten waren.
Welch eine logistische Herausforderung
für Kommunen,
die keine touristische Infrastruktur haben:
Bethlehem ist nicht die geübte und gerüstete Pilgerstadt wie das grosse Jerusalem.
Aber wenn der Kaiser ruft
gibt es keine Widerrede:
„Dr Kaiser hets befohle!“ Heissts in der Zäller Wiehnacht)

Ich weiss nicht,
ob damals der Bürgermeister oder Preesi von Bethlehem
ausgerufen hat –
oder bloss gesagt hat:
Wir schaffen das,
wie vor zwei Jahren Angela Merkel.
Wir schaffen das!

Liebe Gemeinde
So, wie wir die Weihnachtsgeschichte kennen
und in unzähligen Krippenspielen erzählt bekommen,
haben es die Behörden und Einwohner in Bethlehem nicht geschafft.
Herbergen und Hotels waren überfüllt,
auch manche Privathäuser –
und wo es noch Unterkunft gegeben hätte,
da waren die Hausbesitzer hart, abweisend und unbarmherzig.
„Die Seinen nahmen ihn nicht auf!“ ...
Den Mitbürger Joseph aus dem Hause Davids,
seine hochschwangere, bereits in Wehen verharrende Verlobte Maria
und dieses ungeborene Kind unter ihrem Herzen,
das die Welt verändern sollte.
Und so wurde das Jesuskind draussen vor dem Dorf geboren,
in einem baufälligen Stall in einer Futterkrippe –
so wie viele von der Gesellschaft ungeliebte oder Flüchtlingskinder
auch heute unterwegs und improvisiert
zur Welt kommen:
bei den Rohinyas in Bangladesh
in Flüchtlingslagern in Griechenland und Libyen.

Wenden wir uns der Gegenwart zu:
Auch die Region Basel steht vor einer ähnlichen Herausforderung.
Bis zu 20000 junge Christinnen und Christen aus ganz Europa
werden nach Weihnachten erwartet.
280 Reisebusse und viele Extrazüge aus allen Himmelsrichtungen.
Sie kommen nicht auf Kaisers Geheiss,
sondern freiwillig, gerne und voller Freude.
Sie kommen auf Einladung der Brüder von Taizé
und aller Kirchen aus dem Dreiland.
Sie kommen ans Rheinknie,
um ihren Glauben und ihre Hoffnung zu teilen,
untereinander und mit uns Hiesigen.
Basel könnte die jungen Leute locker in Hotels und Ferienwohnungen unterbringen,
für viel Geld und unpersönlich – halt wie Geschäftsleute.
Die Infrastruktur der Messestadt wäre dafür gerüstet.
Aber das ist nicht die Idee!
Es geht darum, dass Menschen hierzulande – wir
uns in Gastfreundschaft üben
und unsere Türen, Häuser und Herzen für junge fremde Menschen öffnen,
zwei Drittel davon sind Frauen.
Und unsere Türen, Häuser und Herzen für junge fremde Menschen öffnen,
deren Heimat und vielleicht auch Sprache wir meist nicht kennen:
z.B. aus Kroatien, Ukraine, Polen, Skandinavien, Portugal.

Es ist keine besondere Leistung,
die eigenen Familienmitglieder, Freunde und Nachbarn
einzuladen, sie zu bewirten und zu beherbergen
und mit ihnen ein paar Stunden oder Tage zu verbringen.
Mit unbekannten Menschen braucht das etwas Überwindung,
Lust, auch Risikobereitschaft.
Umso grösser die Freude und Dankbarkeit,
wenn die Begegnungen erfreulich verlaufen und beinahe freundschaftlich enden,
wie in den allermeisten Fällen.
Solche Gastfreundschaft ist auch eine Gratis-und-Franko Weiterbildung in
Sachen Weltverständnis, andere Kulturen, Sprachen und Nationen,
wie sie keine Fernsehsendung oder ein Volkshochschulkurs hervorbringen.

Gastfreundschaft ist ein hohes Gut,
seit jeher in allen Kulturen und Religionen,
egal ob wir in christlichen, jüdischen oder muslimischen Regionen unterwegs sind.
Wie oft kehren auch wir von Urlauben und Fernreisen zurück und
berichten dankbar wie beglückt
von der Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit der dort Einheimischen,
nicht der von uns bezahlten Hoteliers,
sondern aus oft spontanen Begegnungen mit den Menschen jener Länder.
Gastfreundschaft ist und bleibt ein hohes Gut.

In der Bennwiler Kirche,
wo ich bis vor 11 Jahren gewirkt und gepredigt habe,
da gibt es das sogenannte Heilandsfenster.
Das älteste und wertvollste Kirchenfenster vorne im Chor.
Es blickt nach Osten, in die aufgehende Sonne.
Darauf sieht man einen Fremden, der an eine grosse Türe klopft.
Und das erinnert die Gläubigen und KirchenbesucherInnen seit jeher dran,
dass in jedem Fremden,
dem sie Gastrecht und Einlass gewähren,
sich möglicherweise Jesus selber versteckt,
in ihm der Heiland geheimnisvoll präsent ist.

Liebe Gemeinde
So bin ich
als einer der Gastgeber von Seiten Kantonalkirche und
Mitorganisator von Seiten Kirchgemeinde hier
voller freudiger Erwartung und adventlicher Gefühle.
Ich freue mich darauf,
auf die vielen jungen Christinnen und Christen,
die mir, hoffentlich uns allen,
ein tolles Weihnachtsgeschenk sind.
Ich freue mich darauf,
mit ihnen zu feiern und auszutauschen, mit ihnen zu essen.
Das Christentum in Europa ist nicht am Sterben.
Es ist lebendig wie eh und je –
Gerade auch unter jungen Menschen.
Ich freue mich, mein Herz und meine Tür zu öffnen.
Auf Gastfreundschaft und Besuch liegt ein grosser Segen.

Jesus sagt am Ende seiner irdischen Wirkungszeit zu seinen JüngerInnen -
über das Ende aller Zeit:

Mt 25,34:
Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben.
Ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben.
Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen.
Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters,
empfangt als Erbe das Reich,
das euch bereitet ist von Grundlegung der Welt an.

amen