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Monatspredigt Oktober

Pfr. Gerd Sundermann, Thürnen-Sissach

Sonntag, den 15. 10. 2017

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Liebe Gemeinde,

Luther hat eine Kirche kennen gelernt, in der das sogenannte kanonische Recht absolute Bedeutung und Autorität besass. Im kanonischen Recht waren die Beschlüsse der Konzilien und sämtliche Dekrete der Päpste gesammelt. Das was sie sagten, das galt. Es ist vielleicht der grösste Schatz, den die Reformation hervor gebracht hat, dass sie dem entgegen das biblische Zeugnis zum Massstab und zur Richtschnur für den christlichen Glauben erhebt. Und zwar zum alleinigen Massstab und zur alleinigen Richtschnur. Sola scriptura – nur die Heilige Schrift. Nur was darin steht, zählt in Glaubensdingen. Alles Übrige ist ihr nachgeordnet oder bedeutungslos. Dass Luther dann später die Bibel ins Deutsche übersetzt hat, war eine notwendige Folge. Denn wenn nur die Bibel Autorität in Fragen des Glaubens hat, dann muss man sie auch lesen können. Dass wir heute Gottesdienste in deutscher Sprache feiern und Bibeltexte auslegen, hat seine Wurzeln in der Reformation. Damit hat sie uns einen grossen Schatz geschenkt und hinterlassen, den wir sorgsam hüten müssen. Aber auch an dieser Stelle sind wir heuteaufgefordert, die Reformation weiter zu denken, sie weiter zu entwickeln. Die Frage, der wir heute in diesem Zusammenhang nachgehen wollen, lautet also wie anfangs erwähnt: Ist die Bibel Gottes Wort? Nun diese Frage kann man ganz klar und schnell beantworten: Nein sie ist nicht Gottes Wort. Die Bibel beinhaltet Gottes Wort, aber sie ist nicht damit identisch. Das ist ein wichtiger Unterschied. Wir finden in der Bibel Gottes Wort, aber nicht jedes Wort in ihr ist von Gott. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Bibel kein einzelnes Buch ist, das in einem Zug aufgeschrieben wurde. Sie ist eine Bibliothek, besteht aus ganz verschiedenen Schriften und Briefen. An ihrer Entstehung haben ganz viele unterschiedliche Menschen mitgewirkt in einem Zeitraum von 1200 Jahren. Menschen haben aufgeschrieben, was sie mit Gott erfahren haben und wie sie ihn erfahren haben. Menschen haben aufgeschrieben, was sie wussten und gehört haben von Jesus von Nazaret. Menschen haben aufgeschrieben, welche Bilder vom Glauben und von Menschlichkeit sie in ihrem Innern bewegen. Alles wertvoll. Ein Schatz. Aber nicht alles Gottes Wort. Dafür gibt es in diesem Buch viel zu viele Ungereimtheiten und Widersprüchliches. Dazu möchte ich nur ein paar Beispiele liefern. Im 2. Buch Mose, Kapitel 22, Vers 17 steht ein bemerkenswerter Satz aus dem Munde Gottes, der Mose an dieser Stelle einen Haufen Rechtssatzungen mitgibt, um sie dem Volk vorzulegen. Da steht: Die Zauberinnen sollst du töten. Mehr steht nicht dazu da. Aber diese fünf Worte haben in der Geschichte der Kirche ausgereicht, dass hunderttausende unschuldiger Frauen auf dem Scheiterhaufen gelandet sind. Mit dieser Stelle aus dem 2. Buch Mose hat man biblisch die Hexenverfolgungen untermauert. Es steht ja in der Bibel. Also ist es Gottes Wille. Aber ist das wirklich Gottes Wille? Es steht ja in der Bibel. Das höre ich gelegentlich als Argument. Mag auch sein. Aber die entscheidende Frage ist doch, wie wir das richtig verstehen und deuten, was da drin steht. Man kann mit dem, was da drin steht, auch Unheil anrichten. Ein anderes Beispiel. Bei der Einwanderung der Israeliten ins ‚verheissene‘ Land gibt Gott den Auftrag (5. Mose 20, 16): Aber in den Städten dieser Völker hier, die dir der Herr, dein Gott, zum Erbe geben wird, sollst du an ihnen den Bann vollstrecken und nichts leben lassen, was Atem hat. Josua hat dann diesen Auftrag ausgeführt (Josua 10, 40): So schlug Josua das ganze Land … und liess niemand übrig … wie der Herr, der Gott Israels geboten hatte. Ob das so historisch wirklich so gewesen und stattgefunden hat oder nicht, ist in unserer Fragestellung völlig belanglos. Menschen haben Gott das zugetraut und zugemutet, ein oder mehrere Völker zu vernichten. Das ist entscheidend. Hier handelt es sich um den Auftrag zum Völkermord. Wer so etwas heute veranlasst, wandert vor das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. Aber für Gott gilt das offenbar nicht. Das ist dann schon in Ordnung. Das steht ja schliesslich in der Bibel. Aber so geht das eben nicht. Und als letztes Beispiel. Die Psalmen. Derer gibt es 150. Bekannt sind vielleicht zwei bis drei, am meisten der schöne und oft und gerne gelesene Psalm 23 vom guten Hirten. Aber im Psalter gibt es auch ganz andere Töne. Im Psalm 18 etwa, der dem König David zugeschrieben wird, dankt dieser Gott für seine Errettung und dichtet: Ich will meinen Feinden nachjagen und sie ergreifen und nicht umkehren, bis ich sie umgebracht habe. Ich will sie zerschmettern, dass sie nicht mehr aufstehen können, sie müssen unter meine Füsse fallen. Du; Gott, rüsstest mich mit Stärke zum Streit. Du treibst meine Feinde in die Flucht, dass ich sie vernichte. Bei aller Liebe zu meinem Geschäft, liebe Gemeinde, aber irgendwo hört der Spass dann auf. Das kann nicht der Gott sein, an den wir glauben. Wo aber finden wir dann in der Bibel wirklich Gottes Wort? Da gibt uns die Bibel selber einen Hinweis. In Johannes 1, 1.14 heisst es nämlich: Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Und das Wort wurde Mensch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes, die vom Vater kommt, voller Gnade und Wahrheit. Das ist doch eine klare Auskunft, finde ich. Wir hören Gottes Wort in Jesus von Nazaret - wie er auf Menschen zu gegangen ist, wie er mit Menschen gesprochen hat und sie angesprochen hat, wie er Menschen aufgerichtet hat und Mut, Hoffnung und Vertrauen in ihre Herzen gesetzt hat, wie er von Gott spricht und einer menschlichen Welt. Wir hören Gottes Wort in der Stimme des Mannes aus Nazaret. In der bis heute für unsere reformierte Kirche wichtigen Theologischen Erklärung von Barmen 1934 heisst es in der ersten These ja auch nicht umsonst und ganz deutlich: Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben. Das ist reformatorisch. Solus Christus sagten die Reformatoren. Christus allein. Und da sind in der Bibel aus meiner Sicht die vier Evangelien von zentraler Bedeutung. Wenn wir Gott hören wollen, müssen wir in die Evangelien hinein lauschen, wo von Jesus berichtet wird. Und wenn wir das tun, dann spüren wir schnell, ws es ist, worum es ihm geht. Jesus will in einer Welt der Angst die Menschen zum Vertrauen führen. Das wird überall deutlich, wo Jesus Menschen begegnet oder zu ihnen spricht wie in der sogenannten Bergpredigt. Der Mann aus Nazaret möchte, dass sich in den Herzen von uns Menschen – damals wie heute! – ein Vertrauen bildet darauf, dass wir alle in den Händen eines liebenden Bewusstseins getragen und gehalten sind, unbedingt so angenommen und akzeptiert, wie wir sind, jede/r einzelne von uns. Und keiner hat das Recht, einen anderen zu verurteilen, zu bestimmen oder auszugrenzen. Jesus möchte, dass sich in den Herzen von uns Menschen – damals wie heute! – ein Vertrauen bildet darauf, dass wir alle unser je eigenes Leben, von anderenunverstellt, in den Blick nehmen dürfen. Nichts anderes sagt uns die Geschichte vom blinden Bartimäus, der wieder sehen kann. Jesus möchte, dass sich in den Herzen der Menschen – damals wie heute! – ein Vertrauen bildet darauf, dass wir alle auf eigenen Beinen stehen und selbständig unsere Wege, von anderen ungehindert, unter die Füsse nehmen dürfen. Nichts anderes sagt uns die Geschichte vom Lahmen am Teich Betesda, der wieder gehen kann. Jesus möchte, dass sich in den Herzen von uns Menschen – damals wie heute! – ein Vertrauen bildet darauf, dass niemand es verdient ausgegrenzt zu werden wegen Kultur, Religion, Sprache, Hautfarbe oder sonst was, sondern dass das Haus Gottes viele Wohnungen hat und offen ist für alle. Nichts anderes sagt uns die Geschichte vom Aussätzigen, der wieder gesund wird. Das alles zeigt: Jesus führt die Menschen zum Vertrauen darauf, dass sie von Gott gewollt, von Gott geliebt und von Gott gewünscht ihr je eigenes Leben führen und Hoffnung haben dürfen auf ein anderes, wenn dieses nicht mehr ist. Hier in der Nähe Jesu von Nazaret hören wir ganz deutlich Gottes Wort in der Bibel. Und nur da. Wir müssten auch im Blick auf das bevorstehende Jubiläum diese beiden Schlagworte der Reformation heute in unserer Welt wieder neu aufnehmen und ernst nehmen: sola scriptura – nur die Bibel, und solus Christus – nur Jesus von Nazaret. Dann wäre ein wichtiger Schritt gemacht, zurück zur Reformation Luthers, und voraus zur Reformation unseres christlichen Glaubens.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Gedanken bewahren in Christus Jesus. Amen.